Vor 30 Jahren: SPD Laudenbach leistet Aufbauarbeit für den SPD Ortsverein Straußfurt in Thüringen

Veröffentlicht am 30.03.2020 in Ortsverein

Geschichte: Laudenbacher Genossen leisten nach der Wende vor 30 Jahren Aufbauarbeit für den SPD-Ortsverein im thüringischen Straußfurt / Mehr als 1000 Bücher gesammelt / Hoffnung in schwierigen Verhältnissen 

Laudenbach. Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren reiste eine Delegation des SPD-Ortsvereins mit dem damaligen Vorsitzenden Herbert Bangert und dem Fraktionsvorsitzenden Dieter Forschner erstmals in das thüringische Straußfurt (Kreis Sömmerda, Bezirk Erfurt), um den dortigen Parteifreunden im gerade gegründeten Ortsverein Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Den Kontakt hatte der damalige Vizechef Gerd Dember im Auftrag seiner Laudenbacher Genossen hergestellt. Er weilte im Januar 1990 wie schon oft zuvor noch zu DDR-Zeiten bei einer befreundeten Familie im thüringischen Ottenhausen, wo seine Ehefrau Anita während des Zweiten Weltkriegs notuntergebracht war, und streckte seine Fühler aus, wo in der Umgegend sinnvoll Unterstützung geleistet werden könne.

Blockstrukturen aufbrechen

Dies war seinerzeit keine leichte Aufgabe, weil gerade in ländlichen Regionen die politischen Aktivitäten noch mehr oder minder auf die bisherigen Blockparteien und das „Neue Forum“ sowie den „Demokratischen Aufbruch“ beschränkt waren. In Straußfurt wurde er dann dem dortigen Pfarrer Klaus Burges vorgestellt, der in der Gründung einer SPD-Ortsgruppe die größten Chancen sah, die gewachsenen Strukturen der SED im Verbund mit den bisherigen Blockparteien aufzubrechen. Burges kündigte an, dass man versuchen werde, noch im Januar einen SPD-Ortsverein zu gründen, und freute sich sehr über die Bereitschaft von Laudenbacher Seite, Unterstützung insbesondere mit Büromaterial und -geräten und – falls gewünscht – mit Drucksachen zu leisten.

Im Oktober 1992 war der Laudenbacher SPD-Ortsverein in Straußfurt. Unsere Aufnahme zeigt (von links) unter anderem den damaligen SPD-Vorsitzenden Herbert Bangert, seinen Stellvertreter Gerd Dember und die Straußfurter SPD-Vorsitzende Meike Reinhardt.

170 beim ersten Treffen

Bei der ersten Zusammenkunft Ende Januar in Straußfurt waren dann 170 Leute erschienen, sodass die Versammlung vom Pfarrhaus in die Kirche verlegt werden musste. In der zweiten Runde, die dann mit der förmlichen Gründung und dem Parteieintritt verbunden war, waren dann allerdings aufgrund der Schwellenangst nach 40-jähriger SED-Erfahrung nur 13 Mitglieder eingetreten. Anfang März reiste dann eine Laudenbacher Delegation für zwei Tage nach Straußfurt, um in intensiven Gesprächsrunden Möglichkeiten einer effektiven Ortsvereinsarbeit aufzuzeigen und eine künftige Zusammenarbeit abzustimmen. Im Gepäck hatte man neben einer Bürogrundausstattung auch eine Ausgabe der Ortsvereinszeitschrift „Straußfurt heute und morgen“ mit einer Auflage von 3500 Exemplaren.

Wenige Wochen später weilten die beiden Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Straußfurt, Meike Reinhardt und Christine Hecker, in Laudenbach, um den Ausgang der Wahlen zur Volkskammer zu erläutern. Diese hatten für die SPD enttäuschende Ergebnisse gebracht, die DDR-Bürger hatten sich für Geld und Macht entschieden. In Straußfurt hatte die SPD jedoch mit knapp 23 Prozent deutlich über dem Landestrend gelegen, was man nicht zuletzt auch auf die Verteilung der Ortsvereinszeitung zurückführte.

Infobesuch in Bonn

Reinhardt und Hecker hatten damals Gelegenheit, auf Einladung der damaligen Bundestagsabgeordneten Dr. Konstanze Wegner an einem Informationsbesuch in Bonn teilzunehmen. Sie wurden auch von Bürgermeister Fritz Kaiser empfangen. Am Wochenende 7./8. April weilte der Singverein 1870 in Weimar und gab dort gemeinsam mit dem dortigen Philharmonischen Chor ein Konzert. Am Sonntag umrahmte man auf der Rückfahrt in der Straußfurter Kirche sehr zur Freude von Pfarrer Klaus Burges den Gottesdienst.

Kristallisationspunkt bei der Gründung des Straußfurter SPD-Ortsvereins auf Initiative des Pfarrers Klaus Burges war die dortige Kirche.Unterschrift

Büchersammlung

Das erste Halbjahr 1991 war geprägt von einer Bücheraktion für Straußfurt. Nachdem man aus Straußfurt erfahren hatte, dass die dortige Gemeindebücherei miserabel ausgestattet war und die Schließung drohte, rief man in Laudenbach auf, die Bücherregale zu durchforsten, wobei das besondere Interesse Kinder- und Jugendliteratur galt. Die Spenden konnten in der Gemeindebücherei bei der damaligen Leiterin Helma Ermler und bei der damaligen Zweiten Vorsitzenden Christel Masseck abgegeben werden. Zum Grillfest am 1. Mai, das auch im Zeichen des 90-jährigen Bestehens des Ortsvereins stand, wurde eine Delegation aus Straußfurt begrüßt.

Ende Juni fuhr eine Abordnung des Laudenbacher Ortsvereins mit Bürgermeister Fritz Kaiser nach Straußfurt, um die in den Monaten zuvor gesammelten 1147 Bücher der Straußfurter Bibliothek zu übergeben. Weiter fanden ein kommunalpolitischer Austausch und eine Begehung der kommunalen Einrichtungen statt. Rund ein Jahr später begrüßte die Laudenbacher Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen eine Frauendelegation aus Straußfurt. Die damaligen Gespräche waren gekennzeichnet von Hoffnung in einem schwierigen Aufbruch, Ungewissheit über die berufliche Zukunft und den Perspektiven für den angestrebten politischen Umschwung.

Ende Oktober 1992 bereiste der SPD-Ortsverein die neuen Bundesländer und schloss seine Rundreise in Straußfurt und Erfurt ab. In Straußfurt standen Bürgermeister Wolfgang Heßland, Pfarrer Klaus Burges und die Verantwortlichen des Ortsvereins zur Vorstellung ihrer Gemeinde, in der seit 1990 bereits vieles vorangebracht worden war, zur Verfügung. In Erfurt übernachtete man im „Erfurter Hof“, der durch den Aufenthalt von Willy Brandt im Jahr 1970 bis heute im Gedächtnis verankert ist.

Letzte Begegnung 1993

Die letzte „offizielle“ Begegnung fand im Juni 1993 statt, als die Laudenbacher SPD-Frauen Straußfurt besuchten. Seitdem beschränkten sich die Kontakte auf private Begegnungen. Wenn im September 2020 die Arbeitsgemeinschaft 60 plus und der Ortsverein nach Weimar reisen, werden sie aus Anlass der 30-JahrFeier der Deutschen Einheit auch Straußfurt besuchen und hierbei an die damaligen Kontakte erinnern. Leider ist der SPD-Ortsverein dort zwischenzeitlich Geschichte. Der Bürgermeister wird die Gruppe empfangen und seine Gemeinde auch unter Bezug auf den Aufbau nach der Wende vorstellen. 

-hb-

 
 

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