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SPD-AG 60plus besuchte Jüdischen Friedhof Hemsbach

Veröffentlicht am 19.10.2021 in AG 60plus

Von Frank C. Müller - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9445996

Ort der Erinnerung als "Haus der Ewigkeit" 

Hemsbach/Laudenbach. Die Arbeitsgemeinschaft 60plus innerhalb des Laudenbacher SPD-Ortsvereins unternahm eine Exkursion zum Jüdischen Friedhof in der Nachbarstadt und wurde dort von Albrecht Lohrbächer, Vorsitzender des Vereins ehemalige Synagoge, bei einer Führung über dessen Geschichte und Bedeutung unterrichtet. Zunächst erinnerte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Herbert Bangert, in seiner Begrüßung, dass man sich vor einem Jahr im Mannheimer Jüdischen Gemeindezentrum mit dem jüdischen Glauben und Leben auseinandergesetzt habe und man sich nunmehr mit der jüdischen Begräbniskultur befassen wolle. Dies umfasse auch ein Stück Ortsgeschichte, weil über 20 ehemalige Juden aus Laudenbach hier im 18. und 19. Jahrhundert ihre letzte Ruhe gefunden hätten. Zuletzt sei Abraham Major am 25. Dezember 1900 hier begraben worden. Bangert erinnerte an die aufwendigen Sanierungsarbeiten des Friedhofs mit Baumfällungen. Die Finanzierung sei eine große Leistung des Fördervereins mit Unterstützung von 13 Verbandsgemeinden, darunter auch Laudenbach.

Albrecht Lohrbächer führte einleitend aus, dass der Friedhof im Besitz der Israelitischen Religionsgemeinschaft  mit Sitz in Karlsruhe sei, die den Friedhof durch eine Aufsichtsperson einmal jährlich besuche. Die Stadt Hemsbach sei zuständig für die regelmäßige Pflege und die Sicherungsarbeiten. Er erinnerte an die in den Jahren 2018/19 entstandenen Sturmschäden und den Diskussionsprozess für die notwendige Sanierung, die man schließlich Anfang dieses Jahres teilweise mit Hilfe eines Hubschraubers für die Baumfällungen vorgenommen habe. Er würdigte das bürgerschaftliche Engagement für die Finanzierung. Von den notwendigen 130.000 Euro seien 80.000 Euro durch Spenden finanziert worden.

Auf die Geschichte eingehend führte Lohrbächer aus, dass der Jüdischen Gemeinde 1674 das Grundstück zugewiesen worden sei. Umliegende elf Gemeinden, die ebenfalls Bedarf für Begräbnisplätze hatten hätten sich dann 1716 zu einem Begräbnisverein zusammengeschlossen. Der Friedhof sei bis in die Nazizeit in Betrieb gewesen. Der jüngste Grabstein weise das Datum 15. April 1941 aus. Wie alle jüdischen Friedhöfe sollte auch der Hemsbacher 1944 aufgelöst und die Steine verkauft werden. Wegen der Kriegsereignisse sei dies aber nicht mehr vollzogen worden, so dass der Friedhof mit rund 1.100 Steinen erhalten geblieben und bislang auch von Schändungen verschont geblieben sei. Der Jüdische Friedhof gelte als ein "Haus der Ewigkeit" und sei ein Ort der Erinnerung, den man in der Regel einmal im Jahr zum Jahrtag der Beerdigung aufsuche und mit dem Ablegen eines Steins auf dem Grabstein sein Gedenken ausdrücke.

Juden sollten möglichst binnen 24 Stunden in einfachen Brettersärgen bestattet werden, wobei die Versorgung der Toten durch Ehrenamtliche der Gemeinde erfolge, so Lohrbächer. Es gebe keine begrenzte Liegezeit und damit eine dauerhafte Totenruhe, da nach jüdischen Glauben am Tag des jüngsten Gerichts alle Toten leibhaftig auferstehen würden. Da angesichts des Todes alle Menschen vor Gott gleich seien, hätten die Grabsteine eine gleiche Form. An Beispielen eines Grabs aus dem Jahr 1753 sowie aus dem Jahr 1850 erläuterte Lohrbächer die Ornamentierung und führte aus, dass neben den persönlichen Daten oft auch ausführliche Informationen aufgenommen worden seien, die den Verstorbenen beschreiben und würdigen. Der Rundgang machte deutlich, dass sich die Formen der Grabsteine in den einzelnen Epochen verändert haben und die Inschriften teilweise neben der hebräischen auch die deutsche Sprache - teilweise sogar ausschließlich - vorsehen.  Die Inschriften hätten in der Regel die Einleitungsformel "Hier liegt begraben bzw. "Hier ist geborgen" und endeten mit "Möge seine/ihre Seele eingebunden sein im Bündel des Lebens". Lohrbächer führte auch zu dem Gräberfeld, wo die Laudenbacher Jeanette Kaufmann, verstorben am 4.4.1892 und Abraham Major bestattet sind.   hb