SPD Laudenbach

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Professor Peter Brandt würdigt bei der SPD Entspannungspolitik

Veröffentlicht am 30.05.2022 in AG 60plus

Willy Brandt und Egon Bahr bleiben unvergessen

Laudenbach. Es sind ohne Zweifel herausragende Veranstaltungen mit außergewöhnlichen Begegnungen, die die Geschichte des SPD-Ortsvereins in den letzten Jahrzehnten mitprägten. 1991 reiste der Ortsverein nach Rom und saß bei einer Audienz von Papst Johannes Paul II. im Petersdom buchstäblich in der ersten Reihe. Im Anschluss an die Audienz, in der er die Laudenbacher Genossen ausdrücklich begrüßte, schüttelte er noch viele Laudenbacher Hände und dieses Ereignis ist bei allen Mitgereisten bis heute in frischer Erinnerung. Nur ein Jahr später unternahm man eine Rundreise durch die neuen Bundesländer und wurde im brandenburgischen Landtag in Potsdam von der wohl bekanntesten und populärsten Politikerin der neuen Länder, Sozialministerin Dr. Regine Hildebrandt, empfangen.

Zum 100-jährigen Jubiläum 2001 begegnete man in Berlin dem Schirmherrn, SPD-Generalsekretär Franz Müntefering, der seinerzeit ankündigte, seinen eigentlich 2001 vorgesehenen Besuch in Laudenbach auf jeden Fall nachzuholen und er hielt Wort. Er kam dann als zwischenzeitlich gewählter Parteivorsitzender am 8. Mai 2004 und besuchte zunächst das Rathaus, wo er sich in das goldene Buch eintrug. Anschließend sprach er in einem proppenvollen evangelischen Gemeindezentrum zur "Neuen Stärke für Deutschland". 2011 feierte der Ortsverein sein 110-jähriges Bestehen und hatte beim Festabend den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Gernot Erler, zu Gast.

Jetzt dürfen sich Parteifreunde und Bürgerschaft auf eine weitere "besondere" Veranstaltung freuen. Vor der Hintergrund des 100. Geburtstags von Egon Bahr, dem 30. Todestag von Willy Brandt und dem 50. Jahrestag des Abschlusses des Grundlagenvertrags über die Beziehungen der Bundesrepublik zur Deutschen Demokratischen Republik können die Genossen Professor Peter Brandt, Sohn des unvergessenen Kanzlers, und Professorin Adelheid Bahr, Witwe des Architekten der Ost-/Entspannungspolitik, zu einer Gedenkveranstaltung am Freitag, 3. Juni, 19 Uhr im Georg-Bickel-Haus der Arbeiterwohlfahrt, Weimarer Straße 3, begrüßen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der Film "Der Geheimdiplomat Egon Bahr", der besonders dessen Verhandlungen zum Zustandekommen des am 12.8.1970 unterzeichneten Moskauer Vertrags sowie des am 21.12.1972 unterzeichneten Grundlagenvertrags behandelt. Im Anschluss wird der Historiker Professor Peter Brandt über "Traditionslinien sozialdemokratischer Entspannungspolitik" referieren.

Peter Brandt studierte Geschichte und Politikwissenschaften und war während seiner Studienzeit in der damals kritischen Studentenbewegung aktiv. Nach Promotion. Lehrauftrag und Forschungstätigkeit war er Assistent am Institut für Geschichtswissenschaft der Technischen Universität Berlin. 1988 hat er sich dort habilitiert. Seit 1989 war Brandt Lehrbeauftragter, seit 1990  Professor für Neuere Geschichte an der Fernuniversität Hagen.

Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit waren die Gebiete Nationalismus und bürgerlicher Wandel seit dem 18. Jahrhundert, vergleichende europäische Verfassungsgeschichte, Geschichte der Arbeiterbewegung und des Sozialismus sowie die Deutsche Frage , insbesondere nach 1945. Er hielt Vorträge in vielen europäischen Zentren. 2014 verabschiedete sich Brandt in den Ruhestand, ist aber noch vielfach als Publizist und Referent gefragt. Er war unter anderem Mitglied der Historischen Kommission beim SPD-Parteivorstand, ist Mitglied des Vorstands der Friedrich-Ebert-Stiftung, Mitglied des Kuratoriums der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung sowie im Beirat des Brandt-Archivs.

Aus seinen zahlreichen Veröffentlichungen sind mit Blick auf die anstehende Veranstaltung sein Buch "Mit anderen Augen", das er zum 100. Geburtstag seines Vaters veröffentlichte und in dem er sich der Jahrhundertpersönlichkeit aus familiärer Sicht und mit dem analytischen Blick des Historikers nähert. 2019 hat er die 1965/1966 von Egon Bahr verfasste Schrift "Was nun", die ein Stufenmodell zur Deutschen Wiedervereinigung zum Inhalt hat, auf Anregung von Adelheid Bahr veröffentlicht.

Die vielversprechende öffentliche Veranstaltung wird musikalisch umrahmt von Liedermacher Uli Valnion. Im Anschluss besteht noch Gelegenheit zu einem gemütlichen Umtrunk - bei gutem Wetter in der Grünanlage vor dem Georg-Bickel-Haus.   hb