Ohne Revolution keine liberale und soziale Demokratie

Veröffentlicht am 22.02.2019 in AG 60plus

SPD-AG 60 plus richtet Blick auf die Geschehnisse vor hundert Jahren
 
LAUDENBACH. Die Revolution von 1918 als Beginn der Demokratie war Thema des Monatstreffens der Arbeitsgemeinschaft 60 plus innerhalb des SPD-Ortsvereins. AG-Sprecher Herbert Bangert erinnerte, dass man an einem historischen Tag zusammengekommen sei, weil nämlich exakt vor 100 Jahren Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten gewählt worden sei.

Bangert ging in seiner Einführung auf die wesentlichen Wegmarken der turbulenten Ereignisse um den Jahreswechsel 1918/1919 ein. Dem Aufstand in Kiel am 4. November 1918 seien in den folgenden Tagen zahlreiche Großstädte gefolgt und hätten am 9. November in Berlin in einen Generalstreik und eine Großdemonstration gemündet. An diesem historischen Tag hätten der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht vom Spartakusbund, jeweils ohne Macht und Mandat, die Republik ausgerufen. Am 15. Januar 1919 seien Liebknecht und  Rosa Luxemburg ermordet worden. Am 19. Januar hätten dann Wahlen zur Nationalversammlung stattgefunden, bei denen erstmals auch Frauen wahlberechtigt gewesen seien. Am 6. Februar sei die Nationalversammlung erstmals in Weimar zusammengetreten und fünf Tage später Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten gewählt worden. "Die Revolution hat wesentliche Grundlagen unserer heutigen Gesellschaft gelegt" so Bangert. Die Weimarer Republik sei nicht - wie immer wieder behauptet - an den Versäumnissen der Revolution, sondern an einem Mangel an Demokraten, einhergehend mit einer verfehlten Wirtschaftspolitik und der Weltwirtschaftskrise gescheitert, so Bangert einleitend.
 
Kai Brudermann ging dann auf die Folgen des Versailler Vertrages ein, ehe er einen Rundfunkbeitrag des SWR abspielte, in dem der bekannte Historiker und Buchautor Wolfgang Niess die Revolutionsgeschehnisse im Detail schildert und Ursachen und Wirkung deutlich macht. Die deutsche Revolution sei anders als jene ein Jahr zuvor in Russland durch die Bolschewiki eine Erhebung großer Volksmassen gewesen, die einen Regimewechsel herbeigeführt habe. In der Folge habe die Revolutionsregierung eine ganze Reihe von politischen und sozialen Rechten beschlossen, für die die Arbeiterbewegung Jahrzehnte lang gekämpft habe. So hätten sich Gewerkschaften und Unternehmerverbände verständigt, die Wirtschaft künftig paritätisch zu organisieren, was die Wurzel von Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung sei. Dass dies ein Ergebnis der damaligen Revolution sei, dessen sei man sich viel zu wenig bewusst. Niess beleuchtete den Übergang der Revolutionsregierung zu den gewählten Staatsorganen. Mit der Verabschiedung der Verfassung im Sommer 1919 sei die parlamentarische "Weimarer" Republik vollendet worden. Im Verlauf des Jahres 1919 sei die politische Stimmung gekippt und habe sich im Bürgertum weg vom Demokratischen hin ins Nationale verdreht, was insbesondere auf außenpolitische Fragestellungen zurückzuführen sei. So setzten die Generäle die Legende in Umlauf, dass ohne Revolution der Krieg noch lange fortgesetzt und vielleicht sogar hätte gewonnen werden können. Die Revolution in der Heimat sei der "Dolchstoß" in den Rücken der kämpfenden Truppen gewesen. Der als hart empfundene Friedensvertrag von Versailles sei der Revolution und nicht dem Kaiserreich angelastet worden. In der Folge sei die Revolution ungeliebt geworden und nur die Sozialdemokraten hätten sich zu ihr bekannt. Niess schilderte den Missbrauch des historischen Datums 9. November durch Adolf Hitler, der an diesem Tag 1923 einen Putschversuch unternommen und zwei Jahre später die SS gegründet habe. Jährlich habe er an diesem Tag seine Bewegung auf seine Ziele eingeschworen und 1938 hätten dann Synagogen gebrannt und Juden seien ermordet worden. Der Nationalsozialismus habe sich als Gegenbewegung zur Revolution 1918/19 verstanden. 
 
Diese Revolution sei über viele Jahre in Vergessenheit geraten und das 100-jährige Jubiläum müsse Anlass sein, dies zu verändern. Schließlich sei sie eine der stärksten Wurzeln der heutigen Bundesrepublik, in der die meisten Ziele der damaligen Revolutionsbewegung verwirklicht seien. Es sei Zeit, mit lebendiger Erinnerung den Blick auf damals zu schärfen und die Revolution zu einem festen Bestandteil unserer demokratischen Tradition zu machen. Sie führe vor Augen, dass demokratische Verhältnisse keine Selbstverständlichkeit seien. Demokratie müsse erkämpft und verteidigt werden und erfordere immer wieder aufs Neue unseren Einsatz, so Niess mit Blick auf die Gegenwart mit Populismus und autoritären Regimes, auch in Europa.
 

 
 

Termine

Alle Termine

Mitmachen

Mitmachen - gegen Hetze

Facebook

Aktuelles

Weitersagen