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Die Freitagspost: Handwerkerbrötchen und Fachkräftemangel

Veröffentlicht am 04.11.2022 in Woche für Woche

In der heutigen Freitagspost schreibt Daniel über die Notwendigkeit, Fachkräfte für Baden-Württemberg zu gewinnen.

Beim Bäcker bekomme ich, ohne was zu bestellen, schon mein Brötchen eingepackt. So ist es halt mit den Gewohnheiten. Und ich liebe einfach diese Handwerkerbrötchen: Schnittbrötchen, zwei Scheiben Fleischkäseaufschnitt und eine Gewürzgurke. Das macht mich glücklich.

Diese Woche meinte die Verkäuferin: „Wissen Sie, Herr Born, Handwerkerbrötchen haben wir, aber keine Handwerker mehr.“ Und dann klagte sie mir ihr Leid, wie lange sie schon auf den Einbau der Wärmepumpe daheim warten, obwohl die Finanzierung jetzt gut möglich sei.

Aber so ist es ja überall. Fast jeden Tag begegnet einem das Wort „Fachkräftemangel“. Als Sozialdemokrat könnte man jetzt besserwisserisch die Arme vor der Brust verschränken – denn wir haben es schon immer gewusst. Dieses Land wird von Menschen für Menschen gemacht, jeden Tag aufs Neue. Und genau jetzt fehlen Menschen.

Wie schal klingen da alle „Das Boot ist voll“-, „Keine Ganztagsangebote“- und „Mitbestimmung abbauen“-Kampagnen der Konservativen in den letzten Jahren.

Aber Arme verschränken und auf die Vergangenheit verweisen ist nicht unsere Sache. Darum haben wir in der SPD-Landtagsfraktion uns Gedanken zur Fachkräftegewinnung für Baden-Württemberg gemacht:

Aus einer aktuellen Umfrage des IHK-Fachkräftemonitors ergibt sich, dass für fast 60 Prozent der befragten Unternehmen der Fachkräftemangel ein akutes Geschäftsrisiko ist. In den nächsten Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand, gleichzeitig kommen nicht genügend ausgebildete Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt. Deshalb gehen Prognosen davon aus, dass im Jahr 2035 –also schon in 13 Jahren – rund 863.000 Fachkräfte in Baden-Württemberg fehlen. Die gesamte Bevölkerung des Rhein-Neckar-Kreises und der Stadt Mannheim beträgt 856.000 Menschen. Nur um es sich besser vorstellen zu können: In 13 Jahren fehlen uns Fachkräfte in Höhe der gesamten Einwohnerschaft von unserem Landkreis plus Mannheim plus 8.000!

Es ist schon ärgerlich, dass einer Grün-geführten Landesregierung angesichts dieser Situation nicht anderes einfällt als eine lächerliche THELÄND-Kampagne. Die dann auch noch gnadenlos floppt und danach schöngeredet wird.

Im Jahr 2035 werden nach aktuellen Prognosen 75.000 berufsqualifizierte Fachkräfte in der baden-württembergischen Einzelhandelsbranche fehlen. Gleichzeitig sind die für Baden-Württemberg so wichtigen exportabhängigen Branchen wie Fahrzeug- und Maschinenbau betroffen. Bis 2035 fehlen 45.000 berufsqualifizierte Fachkräfte im Fahrzeugbau und 42.000 berufsqualifizierte Fachkräfte im Maschinenbau. Aber auch die öffentliche Verwaltung, der Pflege- und Bildungsbereich sind vom Fachkräftemangel betroffen.

Zur Beseitigung des Fachkräftemangels ist es erforderlich, dass wir unser heimisches Arbeitskräftepotenzial vollumfänglich nutzen. Insbesondere müssen wir den Erwerbsanteil bei Frauen steigern und Frauen eine Erhöhung ihres Arbeitsvolumens ermöglichen. Aber auch Ungelernte und Geringqualifizierte, Menschen mit Behinderung sowie Menschen mit Schwierigkeiten beim Spracherwerb benötigen noch mehr Unterstützung.

Hierzu müssen wir noch stärker in Aus-und Weiterbildung investieren. Außerdem müssen wir die Arbeitsbedingungen verbessern. Dies bedeutet unter anderem, dass jede*r anständig bezahlt wird und von seiner*ihrer Arbeit gut leben kann.

Zusätzlich sind aufgrund der demographischen Entwicklung in Deutschland aber auch Arbeitskräfte aus dem Ausland erforderlich. Die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass wir bundesweit 400.000 Zuwanderer*innen pro Jahr benötigen. Sie verwies schon im Jahr 2021 darauf, dass die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte im typischen Berufsaltertum fast 150.000 abgenommen habe. Der Gemeindetag Baden-Württemberg geht davon aus, dass der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg allein durch den demografischen Wandel in den nächsten Jahren rund 800.000 Personen verliert. Wir wollen heimische und ausländische Arbeitskräfte nicht gegeneinander ausspielen – wir müssen beide Potenziale nutzen und fördern. Der Schwerpunkt unserer Vorschläge liegt auf Maßnahmen, die im Land ergriffen werden müssen. Das Maßnahmenpaket ist daher nicht abschließend zu verstehen. Es sind insbesondere auch auf Bundesebene vielfältige Maßnahmen erforderlich. Wir verfolgen und begleiten die bundespolitische Debatte hierzu, insbesondere auch die für das zweite Halbjahr angekündigten Maßnahmen zur Erwerbsmigration und zur Fachkräfteanwerbung.

1. Investitionen in Weiterbildung und Qualifizierungsmaßnahmen

2. Stärkung der Ausbildung mit einer Ausbildungsplatzgarantie

3. Landesprogramm zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte

4. Unbürokratischere und schnellere Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen

5. Abschaffung der internationalen Studiengebühren

6. Abschaffung der Kitagebühren und Ausbau der Betreuungskapazitäten in der Kita

Aber ich hätte auch noch einen siebten Punkt. Und das hat mit Wertschätzung zu tun. Wenn wir uns immer wieder daran erinnern, dass dieses Land für Menschen von Menschen gemacht wird. Jeden Tag aufs Neue – dann erinnern wir uns auch daran „Danke“ zu sagen, nicht beim Warten in der Schlange gleich aufzustöhnen und den Ärger über Preise, Terminschwierigkeiten oder fehlendes Material an dem auszulassen, der gerade seine Arbeit macht.

Bis ich mein Handwerkerbrötchen in der Hand habe, haben so viele Leute gearbeitet. Wann war mir das eigentlich das letzte Mal bewusst?

Foto der Woche: Über die beste Kita-Politik streite ich gerne. Auch mit meinen geschätzten Kolleg*innen aus dem Landtag wie vor ein paar Tagen beim Podium von Ver.di in Stuttgart.

 

Homepage Daniel Born MdL – Vizepräsident des Landtags von Baden-Württemberg

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